Chiemsee-Runde auf dem Einrad

Bei der Streckenwahl für eine Einradtour gibt es eine ganze Reihe von Kriterien. Für Flachland-Radler wie mich soll die Strecke möglichst wenig Steigungen aufweisen. Gerne soll der Weg glatt sein, also geteert oder Sandstraße. Außerdem ist Schatten und eine schöne Landschaft gefragt. Zur rechten Zeit soll eine Einkehr möglich sein. Auf Autoverkehr möchte ich gerne ganz verzichten. Am Ende will ich natürlich wieder zu meinem Auto zurück kommen.

Radwege an einem Gewässer sind perse gut geeignet, da meist flach und verkehrsarm, oft landschaftlich interessant und immer wieder schattig. Wenn es dann noch ein touristisches Gebiet ist, steigt auch die Chance auf Einkehr und öffentliche Verkehrsmittel.

Unter diesen Vorzeichen habe ich mich im Frühsommer an eine Umrundung des Chiemsee gemacht. Mit ca. 60 km Länge muss ich den Weg bei meinen Möglichkeiten in 3 Tagesetappen unterteilen. Weil es so gemütlicher ist, habe ich mich für ein festes Quartier beim Lieblings-Badesee entschieden. So spare ich mir den Quartier wechsel und brauche meine Klamotten nicht auf dem Einrad mitschleppen.

Für die Rückfahrt zwischen Ziel und Start einer Etappe gibt es am Chiemsee gute Möglichkeiten. Da ist die Ringbuslinie, die den See in beiden Richtungen mehrmals täglich umrundet. Im Süden gibt es eine Bahnlinie. Außerdem gibt es noch eine Schiffslinie, die zufällig meine Etappenpunkte verbinden würde. Natürlich muss man den Tagesablauf planen, wenn man nicht ewig auf den Transport warten oder gar hinterher schauen will.

Etappenpunkte waren Seebruck, Felden und Prien. Rund um den See gibt es den Uferweg und einen Radweg. Der letztere verläuft gelegentlich auf wenig befahrenen Straßen. Man hat bei der Auswahl immer eine Chance, dem Autoverkehr auszuweichen. So richtig Einsam ist es auf den Wegen selten, zumal an einem sonnigen Wochenende. Turbulent wird es aber nur auf den Ufer-Promenaden der Touristenorte wie Chieming, Prien und Seebruck und am Bade-Eldorado bei Felden. Aber alles zu seiner Zeit. Spannend wird es auch, wenn der Weg durch einen Campingplatz führt. Da kommen dann mal Wohnmobile auf engen Wegen entgegen oder Parken auf dem Radweg. Der größte Teil der Strecke verläuft im Au-Bereich und ist recht idyllisch. Ein Ausblick über den See und auf die Berge ist eher die Ausnahme. Da lohnt es sich dann schon mal, für ein Foto anzuhalten.

Der Gletscher, der den See hinterlassen hat, hat an den Flanken im Westen und Osten Moränen aufgehäuft. Da muss man auch mal richtige Steigungen überwinden. So beispielsweise im Uferpark von Gstadt.

Bei anständiger Hitze habe ich mich auf dem Schotterweg abgestrampelt, um den Schwung nicht ganz zu verlieren. Oben brauchte ich dann eine ordentliche Pause. Bei der hat mich dann der Flaneur aus dem Park wieder eingeholt, den ich eben am Berg mühsam überholt hatte. Der war bei weitem nicht so aus der Puste wie ich. Dafür hat er mir Respekt ausgesprochen, dass ich mich auf so einen schrägen Sport einlasse.

Natürlich würde das jeder so schaffen wie ich. Dann wäre es nichts besonderes mehr. Es macht aber nicht jeder, nämlich weil es eine eher unsinnige Art der Fortbewegung ist. Bei der Gelegenheit sei darauf hingewiesen, dass der Naturgenuss beim Einradfahren eingeschränkt ist, weil man den Weg selten aus den Augen lassen sollte.

Der südliche Teil vom Chiemsee ist ganz anders als der Rest der Strecke. Das liegt an zwei Besonderheiten, die zusammen kommen. Das Tal ist an dieser Seite ganz flach, und das, obwohl die Berge so nah sind.

Zum anderen verläuft die Autobahn praktisch direkt am Ufer. Dementsprechend verläuft der Radweg direkt entlang der Autobahn. Das wäre auch bei malerischer Landschaft kein Genuss. Beim Abschluss der Etappe von Seebruck nach Felden nimmt man das für die letzten 2 km in Kauf. Zwischen Bernau und Felden weicht man auf eine andere Strecke aus.

Die verläuft ein paar Kilometer vom See entfernt entlang der Bahnlinie. Der Weg geht ein Stück lang romantisch verschlungen durch den Wald. Dann öffnet sich eine Moorlandschaft mit schönen Ausblicken. Es geht vorbei an einem Museum zum früheren Torfabbau in dieser Gegend.

Um wieder bei Felden zum See zurückzukehren muss man einen steilen Hügel überqueren. Der bietet beim Abstieg wieder einen schönen Ausblick.

Bei Felden tummeln sich die Gäste. Bei der Bootsanlegestelle ist richtiger Betrieb mit Tretbooten und vielen Einkehrmöglichkeiten. Nach einem größeren Parkplatz reihen sich kleine Badeplätze wie Perlen an den Uferweg. Das Innere der Landzunge ist unzugänglich weil es als Vogelschutzgebiet ausgewiesen ist. Auf der Suche nach einer Abkürzung zum Bahnhof in Grabenstätt um Runde ich schließlich doch die ganze Landzunge und habe am Ende beinahe 30 km zurückgelegt. Das ist für meine Verhältnisse eine ganze Menge.

Welche Etappe war nun die schönste? Das lässt sich schlecht sagen. Jede hatte ihre Reize. Und sie waren alle abwechslungsreich und voneinander verschieden. Die Umrundung des Chiemsees ist ein lohnendes Unternehmen, auch auf zwei Rädern oder zufuß.

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Tango, Latin und Folk auf bayerischen Straßen und Plätzen. Wie kommt das und wo gehts hin?
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