Altmühl Etappe 2

In Riedenburg geht’s noch nicht gleich auf den Radlweg, sondern erst noch zum Einkauf. Wenn man den Rucksack sparsam packt, kann es sein, dass man die falschen Sachen zuhause lässt. Meistens sind das nur Kleinigkeiten, aber eben doch wichtig. Bei mir geht es um Kleber für die Nägel, die am Vorabend stark gelitten haben, und um Sonnencreme. Unterwegs sind Supermärkte dünn gesät. Da muss man die Gelegenheit beim Schopf packen und auch einen kleinen Umweg in Kauf nehmen.

Bei der Routenplanung wird mir klar, dass ich nicht so viel schaffen werde wie erhofft. Am Fluss ist die Strecke länger als das Navi ausgesucht hat. So komme ich sicher nur bis Dietfurt. Immerhin habe ich noch kein Zimmer reserviert, das ich jetzt absagen müsste.
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Nach dem nächtlichen Regen ist es erst noch angenehm frisch, aber bald wird es schwül und dann tauchen auch Steigungen auf. Da komme ich ordentlich ins Schwitzen. Bei der Abfahrt kommen mir Radler entgegen, die sich ordentlich abstrampeln und dann locker von E-Bikern überholt werden. Mittags ist es schon gut warm und mein Wasser lang leer. Es wird Zeit für eine Einkehr, aber erst taucht kein Wirtshaus auf und dann ist zwar eins angeschrieben aber doch verschlossen. Erst im nächsten Ort auf der anderen Flussseite gibt es den ersehnten Biergarten. Da bedient die Enkeltochter mit kaum 10 Jahren, und sie macht es sehr gut.

Ein gesprächiger Cabriofahrer am Nebentisch (sicher wäre es ihm wichtig, dass ich das erwähne) macht sich Sorgen, dass ich noch kein Zimmer für den Abend habe. Ich willige ein, dass er mir bei seinem Bekannten eines besorgt. Die sind aber schon voll. Da mache ich mir auch langsam Sorgen und fange selber an zu telefonieren. Beim zweiten Anruf habe ich ein Zimmer, zudem günstig und wieder am Marktplatz.
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Weiter geht es gemütlich durch die Wiesen und am Altwasser entlang, aber es gibt kaum Schatten. Mit meiner Isolierung hinten und vorne wird mir ganz schön heiß. Auch wenige Kilometer vor Dietfurt brauche ich eine Rast. Da fällt eine Horde von Österreichern ein, die erst mit einer Handseil-Fähre übers Altwasser wollen, aber doch zu schwer sind. Dann interessieren sie sich für mein Einrad. Der schneidigste aus der Gruppe meint, er muss sich draufsetzen. Er posiert für ein Foto, wirklich fahren will er nicht.

Die letzten Kilometer sind mühsam und ich bin froh, mein Gasthaus zu erreichen. Nach Dusche und Rast gibt’s Essen im Wirtsgarten am Platz. Ein Familientreffen belegt fast alle Tische. Da hatte ich wohl auch mit dem Zimmer noch Glück. Nach dem Essen suche ich ein ruhigeres Plätzchen zum Gitarrenspiel beim Chinesenbrunnen vor dem Rathaus. Der Chinesenfasching ist hier das ganze Jahr über präsent. Am Brunnen spielen Kinder vom Familientreffen. Am Ende führen sie zu meiner Musik ein kleines Ballett auf. Dann müssen sie ins Bett und ich brauche einen Absacker beim Wirt.

Im Wirtsgarten ist es schon ruhiger und ich klimpere an meinem Platz am Rand noch weiter auf der Gitarre. Davon angezogen setzt sich ein Paar an den Nebentisch. Sie kommen vom Nordostzipfel Bayerns und waren schon oft hier im Altmühltal. Zum Einen sind sie passionierte Tourenfahrer, zum anderen besuchen sie mit einer Delegation jedes Jahr einen befreundeten Feuerwehrverein in Oberbayern und verbinden das mit einem Kurzurlaub auf dem Weg. Das klingt nach einer schönen Tradition. Auch eine andere gesellige Geschichte der beiden gefällt mir gut. Bei einem alljährlichen Hüttenwochenende wurde in der Runde beschlossen, dass jeder zum nächsten Jahr ein Instrument lernt. Das hat tatsächlich geklappt. Seit dem wird auf der Hütte zünftig musiziert. Das klingt etwas nach Jam-Session. Hauptsache, einer hat einen Plan. Der Rest findet sich dann schon.

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Tango, Latin und Folk auf bayerischen Straßen und Plätzen. Wie kommt das und wo gehts hin?
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