Straßenmusik in Passau – kurz und gut

In Passau habe ich diesmal gleich den richtigen Platz aufgesucht. An der Stelle hatte schon mein letzter Besuch ein gutes Ende gefunden. Mitten in der Fußgängerzone ein Platz im Schatten, gegenüber Bänke unter Bäumen. An so einem Brückentag waren viele Touristen in der Stadt und etliche davon machten hier Rast oder Brotzeit. Viele waren für angenehme Unterhaltung dankbar, einige waren von der Musik entzückt oder verzaubert. Ein Mann verglich mich mit Paco de Lucia, was natürlich völlig unangemessen ist, aber als Kompliment doch gerne angenommen wird.

Besonders freuen mich Paare, die bei meiner Musik zärtliche Gefühle zeigen. Klar bin ich da nicht der Auslöser, aber ich stelle mir gerne vor, zu etwas Schönem beizutragen. Ein solches Paar hat mir länger als eine Stunde zugehört. Einmal bat ich sie auch, doch die Küsserei nicht zu unterbrechen nur um zu applaudieren.

Ein Mann blieb mit seinem Rad direkt vor mir stehen, um meine Musik ganz genau zu hören. Einen anderen Radler, der das auch machte, forderte er recht deutlich auf, für den Kunstgenuss auch ein paar Münzen springen zu lassen. Dessen Verweis auf leere Taschen wollte er nicht gelten lassen. Ich stellte klar, dass es mir auch was wert sei, dass mir der andere seine Aufmerksamkeit schenkte. Klar würde ich gerne daheim in dem ganzen Geld baden, auch wenn es nicht mal ein Fußbad wird.

In einer Pause meinte ein Zuhörer, dass er mich schon mal auf einer Bühne gesehen hätte. Er konnte den Ort nicht gleich benennen. Gemeinsam kamen wir drauf, dass es in Attenkirchen war. Das fand ich bemerkenswert, weil das ja ein kleiner Laden so weit weg von Passau war. Den Auftritt in Attenkirchen hatte ich aber zufällig während eines Besuches hier in Passau vereinbart. Da besteht sicher eine geheime Verbindung zwischen Passau und dem 150 km entfernten  Örtchen, so eine Art Wurmloch des musikalischen Schicksals.

Ein herbes Erlebnis zum Schluss: zwei offiziell uniformierte Männer von der Sicherheitswacht kamen vorbei, um meine Genehmigung zu kontrollieren. Dabei stellten sie fest dass mein Verstärker dieser Genehmigung nicht entspricht und ich darauf verzichten muss. Das alles lief in recht freundlichem Ton ab. Ich knipste den Verstärker ab, um rein akustisch zu spielen. Bei meiner Art zu spielen und meiner Stimme reichte der Schall gerade bis zur Straßenmitte. Also knipste ich den Verstärker wieder an. Dummerweise kamen die Sicherheitsleute recht bald zurück. In nun viel ernsterem Ton drohten sie, dass ich durch den Verstärker künftige Genehmigungen aufs Spiel setzen würde. Ich sehe ein, dass die beiden hier ihren Job machen und es da nichts zu diskutieren gibt. Bisher war es gut gelaufen und der Tag noch lang genug für den Badeweiher.

Beim Packen saß noch ein Mann auf der Bank, der mir schon zuvor wegen seines Camps Gitarrenkoffers aufgefallen war. Mit dem wollte ich gern noch über diese Gitarrenmarke sprechen. Er hatte einen ganz ähnlichen Plan. Er ist nämlich Vertreter für diese Marke und hatte meine Gitarre sofort erkannt. Er war angetan, sowas bei einem Straßenmusiker zu sehen.

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Tango, Latin und Folk auf bayerischen Straßen und Plätzen. Wie kommt das und wo gehts hin?
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6 Antworten zu Straßenmusik in Passau – kurz und gut

  1. gerhard schreibt:

    Attenkirchen, schau einer an, wo Du überall hinkommst… ;-))
    Schöner Bericht, viele Grüße,
    Gerhard

  2. finbarsgift schreibt:

    Klasse Erlebnisbericht!

  3. nixe schreibt:

    Danke..habe ich gern gelesen 🙂

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