Spontanes Konzert in Bamberg

Jetzt muss ich die Geschichte vom Mohren-Haus noch fertig erzählen. Zunächst hat eine der Verkäuferinnen zwei Stückchen Konfekt gebracht, mit der Empfehlung, das zum Kaffee zu essen, zum Beispiel im Mohren-Haus, wo man mich gerne auch einladen würde. image Nachdem ich Stunden vor dem Mohren-Haus gespielt hatte, kam wieder eine der Damen zu mir heraus. War es jetzt einfach doch zu viel gewesen? Ganz falsch gedacht. Sie wollte wissen, ob ich öfter hier wäre und vielleicht Lust hätte, mal in der Kneipe ihres Freundes zu spielen. Das wäre für mich schwierig, am nächsten Tag wollte ich ja schon wieder heim. Es ginge also nur am selben Abend. OK, das wollte sie ihrem Freund vorschlagen. Der hat mich auch kurz darauf angerufen und wollte sich tatsächlich darauf einlassen.

So hat mich Simone am frühen Abend zur „Galerie am Stephansberg“ gelotst. Das ist eine Kneipe in der Größe eines ordentlichen Wohnzimmers, mit Piano und Sofa-Ecke. An den Wänden hängen abstrakte Bilder, die beim Kneipenlicht leider nur schwach zur Geltung kommen. Nach mehr als 4 Stunden Straßenmusik wollte ich nicht nochmal bis in die Puppen spielen. Es war aber klar, dass die üblichen Gäste erst spät aufkreuzen. Obwohl Philipp, der Wirt, fleißig telefonierte, war Doris um 8 der einzige Gast, und die war zufällig da. Um 9 waren es noch keine 10 Gäste. Für mich war das schon ein nettes Publikum. So begann das Konzert recht familiär, mit direkter Ansprache der Gäste und ganz ohne Technik. Schon bald füllte sich der Laden, so dass ich den Verstärker bemühen musste. Um 10 war der Laden gut voll. Klar ist dann schon Unruhe im Raum, aber die Aufmerksamkeit bleibt hoch, da kann Philipp stolz auf seine Gäste sein. image Um 11 ist der letzte Platz belegt. bestimmt 50 Leute. Ein junger Mann sitzt zu meinen Füßen und bekommt die Breitseite vom Verstärker ab. Jetzt muss ich schon ordentlich aufdrehen. Mit ruhigen Sachen brauche ich nicht mehr kommen. Nach 2 1/2 Stunden ist es dann auch genug für mich.

Bevor sie gehen, muss ich noch zwei Männer ansprechen, die gleich am Anfang da waren, aber bei Philipps Stammgästen unbekannt sind. Jedes meiner Stücke haben sie ernst und wissend besprochen. Tatsächlich waren sie am Nachmittag unter den Zuhörern an der Oberen Brücke und haben dort von dem spontanen Konzert gehört. image Beim After-Show-Bier wird es nochmal richtig philosophisch, wie sich das für einen Kneipenabend gehört. Für mich fällt die Entscheidung, Coburg ausfallen zu lassen. Die Stimme ist erschöpft und schöner kann es nicht werden.

Von der Straße weg für den Abend eingeladen zu werden, das war schon lange mein Traum. Hier muss ich mich nochmal ganz herzlich bei Simone bedanken, die auf die wunderbare Idee mit dem spontanen Konzert gekommen ist, und bei Philipp, der sich sofort darauf eingelassen und alle seine Hebel in Bewegung gesetzt hat.

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Über 100canciones

Tango, Latin und Folk auf bayerischen Straßen und Plätzen. Wie kommt das und wo gehts hin?
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6 Antworten zu Spontanes Konzert in Bamberg

  1. gerhard schreibt:

    Super Geschichte. Da kann man den Bambergern nur gratulieren zu ihrer Spontanität und ihren aufmerksamen Zuhörern! Feine Sache!

  2. nixe schreibt:

    Wunderbare Einladung – wer das nicht gern annimmt; ein voller Erfolg – das gefällt sehr!

    • 100canciones schreibt:

      Wenn sich so eine Gelegenheit ergibt, muss man gleich zugreifen. Sobald man dann wieder die Gitarre in der Hand hat, kommt frische Energie, auch wenn man eigentlich schon etwas müde ist. Die Energie kommt vielleicht von den freundlichen Zuhörern.

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