Mein Leben als Musikmöbel

Das war ein merkwürdiger Abend am Donnerstag. Ein sehr schön eingerichteter Ausstellungsraum mit durchbrochenen Wänden. Für die Musik habe ich mir einen Platz bei der größten freien Fläche ausgesucht, mit Sofa und Stehtisch, wie ein Wohnzimmer. Da würden sich sicher die meisten Gäste versammeln, so dachte ich.

Aber da hatte ich sprichwörtlich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Es waren wohl viel weniger Gäste als erwartet. Und die hielten sich lieber in der Reichweite von Speisen und Getränken auf.

Ich erkläre mir das so: Bei der Musik reicht es eigentlich schon, sie zu hören. Dagegen ist es unbefriedigend, Wein und leckere Speisen nur zu sehen.

Zwischen drin waren schon mal Zuhörer da, haben sich auf das
Sofa gelagert, meiner Musik gelauscht und sich anerkennend geäußert. Aber die meiste Zeit war ich optisch allein. Für mich war es schon ein seltsames Erlebnis, das Publikum nur zu hören, aber nicht zu sehen. Man hängt irgendwie in der Luft, wenn man nicht erkennen kann, wie die einzelnen Stücke ankommen.

Einmal machte mir der Wirt ein Handzeichen mit Daumen und Zeigefinger. Meinte er, ich sollte ein wenig leiser spielen? Nein, er wollte mir ein Schlückchen Wein anbieten. Und vom vorbereiteten Essen war auch noch reichlich über.

Mein Fazit: beim nächsten Auftritt in unbekannten Räumen nehme ich wieder den Street- Verstärker mit. Dann bin ich unabhängig von Steckdosen und kann mein Publikum besser im Blick behalten.

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Tango, Latin und Folk auf bayerischen Straßen und Plätzen. Wie kommt das und wo gehts hin?
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2 Antworten zu Mein Leben als Musikmöbel

  1. BOWMORE Darkest schreibt:

    Jeder Auftritt ist zunächst unbekanntes Terrain. Es kann alles passieren, alles vorkommen. In diesem Fall hat es sogar Vorteile. Man kann alles ausprobieren in der Hoffnung, dass vielleicht einige neugierig werden. Und wenn nicht, nun, dann war es guter Übungsabend.

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