Wer früher glaubt, ist länger … – Kinderglaube

Gestern Abend kam auf eine Geburtstagsfeier die Rede auf das Verhältnis der Anwesenden zur katholischen Kirche. Da gab es viele Vorbehalte. Alle, die sich meldeten, hatten schon innerlich oder äußerlich gekündigt. Ein Bekannte erzählte zwei schöne Geschichten zum Thema „Kinder und Kirche“.

Die Tochter einer Freundin kam aus der zweiten Klasse heim und erklärte zornig, sie werde sich vom Mann der Mutter nicht weiter belügen lassen. Vom Pfarrer wisse sie jetzt, dass Gott ihr richtiger Vater sei, und nicht der Mann, der jeden Abend mit beim Essen sitzt.

Die Bekannte bekannte sich auch selbst zu ihrem Kinderglauben. So sei sie selbst immer mit Eifer in die Kirche gegangen, obwohl die Eltern das nicht immer für nötig hielten. Der Grund war aber nicht die Liebe zu Gott, sondern die Furcht, für ihre vielen Verfehlungen in die Hölle zu kommen. Sie hatte es ordentlich krachen lassen, und hoffte, durch den regelmäßigen Kirchgang mit ein wenig Fegefeuer davonzukommen. An ihrem wilden Leben hat die Gottesfurcht aber nichts geändert.

Der Film „Wer früher stirbt, ist länger tot“ zeigt in wunderbaren Bildern, was sich Kinder so zusammenglauben können.

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7 Antworten zu Wer früher glaubt, ist länger … – Kinderglaube

  1. tausendundeineblume schreibt:

    Hallo Thomas,

    den Film mag ich sehr.

    Verstehe ich dich richtig, dass du der Ansicht bist, Glaube wird in der Kindheit gelegt und bleibt dann so? Und möchtest du mit den Worten, mit denen du auf den Film verweist, sagen, dass Kinder sich so manches zusammen denken und daher Glaube, der in der Kindheit entstanden ist, keinen Sinn macht?

    Wie hältst du es persönlich mit Glauben?

    Gruß
    Marion

    • 100canciones schreibt:

      Hallo Marion,
      aus dem Film und aus der Geschichte meiner Bekannten kann man ableiten, dass gerade die Lehren der katholischen Kirche ungebründete Ängste in Kindern wecken können. Sicher ist es richtig, Kinder an christliche oder humanistische Werte heranzuführen. Toleranz und Mitgefühl sind da ganz wichtig, das religiöse oder ethische Vorzeichen ist dann meines Erachtens zweitrangig. Die ganzen Verpflichtungen der Kirche gegenüber, die man einem Kind nominal aufbürdet, sind in den frühen Jahren aber unangemessen. Wichtig ist eher, die Kinder zu einem eigenen Urteilsvermögen zu führen. Dann sollten sie selber entscheiden können, wie sie es mit dem Glauben halten wollen.
      Tatsächlich habe ich unsere Kinder das ganze katholische Programm durchlaufen lassen, wenn auch ohne großen Eifer, und mich erst spät von der Kirche abgewendet. Das war vor allem wegen der unglaublichen Ignoranz der Amtkirche gegenüber ihren Mitgliedern und der gesellschaftlichen Realität. Als gläubigen Menschen betrachte ich mich nicht mehr.
      Phu, ganz so ernst war dieser Artikel garnicht gemeint. Ich hatte es eher von der amüsanten Seite gesehen.
      Ciao,
      Thomas

      • tausendundeineblume schreibt:

        Hallo Thomas,

        danke für diese Zeilen, ich schätze sie. Jetzt sagt mir der ganze Artikel wesentlich mehr und ich kann mir besser vorstellen, was du für ein Mensch bist.

        Gefällt mir, wie du es mit dem „Glauben“ bzw. Werten hast und hältst.

        Gruß
        Marion

  2. stanzebla schreibt:

    Katholiken sind exotisch. Ich wurde protestantisch erzogen (ein verzeihender Gott und ein Hippiejesus) und hab mich überhaupt nicht schuldig gefühlt.

    • tausendundeineblume schreibt:

      Wenn Katholiken exotisch wären, wäre das eine gute Nachricht. Ich fürchte, es gibt eine Menge Glaubensrichtungen, die ähnlich erziehen, mit all den Folgen.

  3. Herbstbaum schreibt:

    Magisches Denken ist vielen Kindern nicht fremd. Ich fand den Film sehr schön
    ~ und Kindermund auch 🙂 Liebe Grüsse – Uta

  4. ullli23 schreibt:

    Der beste bayrische Film, den ich kenne! Der Song „Somethin’s rising“ von Gerd Baumann lief in unzähligen Wiederholungen in mein Ohr… Und zum christlichen Glauben finde ich ein Lemmy-Kilmister-Zitat lustig: „You teach people that the Messiah was the offspring of a vagabond’s wife (who is a virgin) and a ghost? … I figured if Joseph believed that one, he deserved to sleep in stables!“

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