Eine Welt voller Lieder

Gleich meine erste Straßenmusikaktion ist Reichenhall selbst. Im Herbst war das recht Gut gelangen. Also bin ich ganz zuversichtlich.

Schon nach kurzer Zeit läuft mir ein Straßenmusiker über den Weg, den ich schon letzten Herbst kennen gelernt hatte. Zwischenzeitlich hatte ich mich mit einem Cousin aus dem nahen Freilassing unterhalten  und ihm von meinen musikalischen Aktivitäten erzählt. Darauf hat er einen Bekannten erwähnt, der auch hier Straßenmusik macht. Natürlich habe ich da gleich an meine Straßenbekanntschaft gedacht. Jetzt spreche ich ihn darauf an. Und tatsächlich, es ist dieser Bekannte meines Cousins.

Weiß Ferdl bei Wikipedia

Der Bekannte schiebt seine Musik auf, um ein wenig bei mir zu bleiben, sich zu unterhalten und meinen Liedern  zuzuhören. Weil er hier zuhause ist, kommen ständig seine Bekannten auf einen Ratsch vorbei. schließlich kommt auch eine alte Dame, die seine Nachbarin ist. Sie sieht fast nichts, darum muß sie fragen, ob sie hier richtig ist. Der Bekannte bietet ihr einen Stuhl an, weil sie schon nicht gebrechlich ist. Offenbar besucht sie ihn regelmäßig, wenn er auf der Straße musiziert. Sie unterhalten sich lebhaft, während ich musiziert. Meine Musik nimmt die Dame nicht zur Kenntnis. Dafür beginnt sie, ihre eigenen Lieder zu singen, hauptsächlich bayrische Volkslieder. sie stimmt immer nur kurz an, scheint aber eine ganze Menge davon zu kennen.

Um ihr eine Freude zu machen, singe ich auch den Fensterstock Hias. Der gehört eigentlich nicht zu meinen 100 Liedern. Aber 11 Strophen kenne ich doch. Bei den bekannten Strophen singt sie mit, bei den unbekannten protestiert sie ein wenig. Dann will sie aber wieder ihre Lieder singen.

Nachdem der Bekannte sich doch aufmacht, um selber zu musizieren, beginnt sich die Dame von mir zu verabschieden. Dann erzählt sie mir doch die wichtigsten Dinge aus ihren Leben, von ihrer Kindheit über die Lebensentscheidungen bis zu ihrer neuen Liebe. Und immer wieder illustriert sie emotionale Momente  mit einer Liedzeile.

Zum Schluss steckt sie mir noch einen 10er zu, der eigentlich für den Bekannten gedacht war. Später treffe ich den Bekannten wieder, und wir beschließen, von dem 10er auf das Wohl der alten Dame zu trinken. Dabei erfahre ich, dass sie dement ist. Das erklärt vielleicht, warum sie nicht auf meine Musik eingehen, sondern immer nur ihre Lieder singen wollte. Der Umstand, dass die Dame trotz ihrer Demenz so viele Lieder kennt und offenbar große Freude daran hat und schöne Erinnerungen damit verbindet, gibt mir die Hoffnung, dass einem die Musik und die Lieder Lange bleiben, auch wenn schon vieles verloren geht. Witzig ist vielleicht, dass die Dame mehrfach erklärt hat, dass sie in ihrem nächsten Leben Musiker sein möchte.

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Über 100canciones

Tango, Latin und Folk auf bayerischen Straßen und Plätzen. Wie kommt das und wo gehts hin?
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