Multicore Kabel und Gremlins

Gremlins-Wiki

Wenn sich eine Band wie wir auf die elektrische Verstärkung einlässt (und anders geht es kaum), dann hat man ruck zuck eine Menge Ausrüstung am Hals. Und damit kommen dann auch Sorgen, die man von außen gar nicht sieht.

Eines der geheimen Probleme sind die Kabel. Alle Mikrofone und Instrumente laufen über das Mischpult. Im Band Raum steht das neben dem Piano. Zwischen den Stücken kann man bei Bedarf an den Knöpfen drehen. Beim Auftritt will man, dass jemand den Sound im Zuhörerraum hört und jederzeit nachregeln kann. Da will man nicht das Mischpult auf der Bühne haben. Da soll es im Zuschauerraum möglichst ganz hinten stehen. Dann sind natürlich alle Kabel zu kurz. Die Lautsprecher sollen wieder neben der Bühne stehen. Noch mehr fehlende Kabel. Selbst wenn das Mischpult neben der Bühne steht, ist immer noch eine Box auf der anderen Seite.

Genau für dieses Problem gibt es eine Lösung, von der man kaum etwas sieht: das Multicore-Kabel. Eigentlich verbergen sich in einem Schlauch 20 Kabel und mehr. Auf der Bühne liegt ein Kasten mit einer Menge von Buchsen, die sogenannte Stage Box. Am anderen Ende vom Schlauch kommt für jeden Kanal ein Stecker raus, die sogenannte Peitsche. Unser Kabel hat 20 Kanäle, einschließlich der Rückkanäle für die Lautsprecher, und ist 30 Meter lang. Das entspricht etwa 100 handelsüblichen Kabeln. Schon beim letzten Auftritt hat uns dieses Kabel gute Dienste erwiesen. Dafür hatten wir eine Menge Ärger mit Mischpult und Boxen.

Bei unserem Auftritt gestern halten wir ein besseres Mischpult und neue Boxen. Wir hatten uns große Hoffnungen gemacht, dass die Technik damit erledigt ist und wir uns auf die Musik konzentrieren können. Wir halten auch alles schön ausgedacht. Die Band am Ende der Tanzfläche, das Multi-Core-Kabel über die Licht-Traverse quer über den Saal und das Mischpult am anderen Ende. Nachdem wir alles aufgebaut und montiert hatten, gab es beim Einschalten schreckliche Störgeräusche. Zwei Stunden lang haben wir nach möglichen Gründen gesucht, bevor wir aufgaben und das Mischpult direkt neben die Band stellten. Da halten wir auch noch eine Menge Ärger mit defekten Kabeln und Stecken, die wir aber schrittweise beheben konnten. Insgesamt hat Aufbau und Sound Check fast 5 Stunden gedauert. Und wir wussten am Ende nicht genau, woran wir eigentlich gescheitert waren.

Dabei kommt mir der Verrückte aus dem Film „Gremlins“ in den Sinn, der glaubte dass in den asiatischen Elektrogeräten böse Geister wohnen, die sich über uns lustig machen. Der Typ gehört nicht zu unserer Band, würde aber vielleicht gut zu uns passen. Irgend ein Besserwisser meinte später, man dürfe natürlich das Kabel nicht so nah an das Licht legen, weil das Induktionen gebe. Genau diese Typen haben im Film schließlich ihr Fett abbekommen von den  bösen Geistern.

Zum Glück hatten wir den Aufbau schon am Vorabend des Auftritts durchgezogen. Sonst wären wir schön blöd dagestanden. So hatten wir beim Auftritt den Ärger schon halb verdaut und konnten uns mit den kleinen Problemen rumschlagen: Schlechter Sound auf den Monitorboxen (immerhin haben wir welche), kleine Rückkopplungen, kleine Wackelkontakte. Nach dem ersten Stück waren wir warm und haben uns von kleinen Patzern nicht aus dem Konzept brigen lassen. Die Gäste haben sich von der Musik mitreißen lassen und haben fleißig getanzt. Auf dieser Milonga wird recht viel Non-Tango aufgelegt und die Leute tanzen auf fast jede Musik. Da waren unsere Arrangements recht passend, weil die Stücke oft eine überraschende Wendung nehmen.

Weil es ja eine Hochzeits-Milonga war, gab es diverse Einlagen. So hat sich unser Einsatz ziemlich hingezogen. Um Mitternacht haben wir die Reste des Buffets geplündert, bevor wir unser letztes Set spielten. Das hat dann nochmal richtig gerockt. Wieder eine Parallele zu den Gremlins, die richtig aufdrehen, wenn man sie nach Mitternacht füttert.

Über 100canciones

Tango, Latin und Folk auf bayerischen Straßen und Plätzen. Wie kommt das und wo gehts hin?
Dieser Beitrag wurde unter Equipment abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s