Ulm, 14. Mai 2012

Münsterplatz Ulm

Nach der offiziellen Satzung ist Straßenmusik in Ulm eher Restriktiv geregelt. Im Forum Straßenmusik hatte ich aber schon die Empfehlung erhalten, dass es ganz Stressfrei geht und die Leute recht nett sind. Und so habe ich das heute auch erlebt.

Der Münsterplatz ist groß und offen. Das gotische Münster überragt mit seinen dunklen Türmen den Platz, der sonst von modernen Bauten eingerahmt ist. Der Platz war belebt, aber nicht überlaufen. Ich hatte keine überragenden Einnahmen, aber viel gute Resonanz und ein paar schöne Erlebnisse.

Ziemlich zu Anfang kamen zwei Frauen auf dem Platz an, die mir auffielen, weil die eine von beiden eine Gitarre dabei hatte. Irgendwie war ich überzeugt, dass sie auch zum Musizieren hier waren. Naja, die würden sich schon melden, wenn sie mich ablösen wollten. Aber sie machten keine Anstalten, sondern wippten mit meiner Musik mit und klatschten auch mal. Später, in der Glocken bedingten Mittagspause fragte ich nach den musikalischen Absichten. Sie hatten sich schon am Vormittag zum Mantra-Singen getroffen. Früher hatte die Gitarristin schon überlegt, Straßenmusik zu machen. Jetzt meint sie, fehlt ihr dafür der Jugend-Bonus. Mit der Mantra-Sache hat sie für sich das Richtige gefunden.

Bei „Que Nadie sepa mi sufrir“ war eine ältere Dame da, die den Refrain mit einstimmte. Das fand ich cool, weil das Stück eigentlich nicht so bekannt ist.

Bei den ersten Tönen von „Summertime“ machte ein Herr Anstalten, mitzusingen. Mit den Kapo änderte ich die Tonlage, und zusammen kriegten Wir dann den Text schon hin.

Gut gefallen hat mir ein Jugendlicher, der bei „Girl from Ipanema“ seinen Freund aufklärtl, das sei Jazz. Ich finde das etwas hochgegriffen, aber irgendwie hat er schon recht. Und er konnte mit der Musik überhaupt etwas anfangen. Vielleicht war er ja eines von den Kindern, die von ihren Eltern im Kinderwagen mit zum Straßenmusiker geschleppt werden, wenn südamerikanische Musik erklingt. Heute waren recht viele Eltern mit ihren Kleinen mein dankbares Publikum. Vielleicht sollte ich meine Tätigkeit auch musikpädagogisch begreifen? Und die Kinder lernen nicht nur über die Musik, sondern auch über Großzügigkeit. Ein kleiner Schwabe hat da noch Defizite. Er wollte das Geld, das ihm sein Papa gegeben hatte, lieber in seine eigene Tasche stecken.

Glockenspiel in Ulm

Am Münsterplatz ist mittags eine Zwangspause angesagt. Erst schlägt die Glocke vom Münster ausgiebig, dann spielt das Glockenspiel mehrere Stücke.

Um die Mittagszeit konnte ich auch Straßen-Profis bei der Arbeit beobachten. Drei Musiker (ich sag mal „Zigeuner“) in Kostüm und klassischer Besetzung mit 2 Geigen und Akkordeon „bespielten“ das Straßencafé. Drei kurze Stücke aus den Jazz Standards, Melodie mit Begleitung ohne Schnörkel oder Improvisation, ordentlich abgeliefert, einfache Gebrauchsmusik. Dann geht einer kassieren, während die anderen beiden den Abspann geben. Nicht aufdringlich, nur dass keiner, der zahlen will, aufstehen muss. Da kann ich noch was lernen. Bei mir müssen die Leute über den halben Platz pilgern, nur damit sie ein paar Münzen in meinen Koffer werfen dürfen.

Den Nachmittag habe ich noch in einer modernen Einkaufsstraße gespielt. Auch hier war der Zuspruch recht gut. Eigentlich haben sich immer Leute in die Nähe gesetzt, um meine Musik zu hören. Eine junge Mutter hat sich mehr als eine halbe Stunde Zeit genommen.

Damit der Tag als Urlaub durchgeht, war ich noch baden und im Wirtshaus. Das Hallenbad in Leipheim ist klein, aber wird voll ausgenutzt. Das halbe Becken wird von der DLRG Jugend belegt. Auf der andsen Seite lernen Knirpse das Schwimmen. Und das Café ist voll wartender Eltern.

An der Bahnhofs- Gasstätte lasse ich mich von der bescheidenen Karte abschrecken. Im Gasthof zum Hirschen ist die Karte ansehnlicher, aber die Küche lieblos. Auf dem Rückweg erweist sich die Bahnhofs- Gasstätte als uriger Treff der Stadtbevölkerung und der Wirtin liegen ihre Gäste am Herzen. „Don‘t judge a book by its cover“

Gasthaus zur Eisenbahn
Neue Bahnhofstraße 21
89335 Ichenhausen

Sehr lustig die Gesellschaft hier. Vielleicht träume ich heute auf Schwäbisch.

Über 100canciones

Tango, Latin und Folk auf bayerischen Straßen und Plätzen. Wie kommt das und wo gehts hin?
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