Peinlich oder Inkognito

Ingolstadt, Foto: Heinz-Jürgen DäwelAls ich meiner Mama zuerst von meinen Plänen erzählt hatte, war sie etwas verunsichert, weil das den Beigeschmack von Betteln hat. Tatsächlich hatte ich auch eine Zeit lang gewünscht, niemandem aus der Arbeit zu begegnen. In der Zwischenzeit hat sich das gelegt. Mir sind genug alte und neue Bekannte auf der Straße über den Weg gelaufen. Und ich habe keine Sorge mehr, mit der Gitarre einen bedürftigen Eindruck zu machen.

Einen Menschen zu erkennen ist auch eine Frage der Aufmerksamkeit und der Erwartungshaltung. Die Gehirnforschung sagt, dass von unserem Weltbild nur 20 Prozent echte Sinneswahrnehmung sind. Der Rest sind Erinnerungen, Vorstellungen und Erwartungen. So muss man vielleicht auch mein Outfit betrachten. Es spricht Klischees an, die mit meinem Alltagsleben nichts zu tun haben. Damit bin ich perfekt verkleidet. Das wurde mir in Ingolstadt klar, als mir ein Kollege begegnete, der im Großraumbüro nebenan sitzt und mir alle zwei Tage über den Weg läuft. In Ingolstadt hat er mir was gespendet, ohne mich zu erkennen. Dabei hatte er mir noch eine Woche zuvor in der Kaffeeküche Wasser über die Schuhe geschüttet. Vielleicht hätte er mich erkannt, wenn ich in Ingolstadt die gleichen Schuhe getragen hätte.

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Tango, Latin und Folk auf bayerischen Straßen und Plätzen. Wie kommt das und wo gehts hin?
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