Augsburg

In Augsburg braucht man als Straßenmusiker keine Genehmigung, weil es dafür eine Satzung gibt. Das ist erst mal eine feine Sache. Außerdem gibt es eine ausgedehnte Fußgängerzone und Plätze mit vielen Cafés, und dann noch einen Viktualienmarkt, der jeden Tag geöffnet ist. Klingt alles ganz prima.  Heute habe ich das ausprobiert. Zuerst habe ich mir ein Plätzchen am Markt gesucht, in der Sonne, gegenüber von einem Blumenstand. Eine nette Atmosphäre, aber Wochentags sind wenig Leute unterwegs. Eine alte Frau mit Rolli schimpfte im Vorbeischlurfen, meine Musik sei nicht schön, und keiner wolle die hören. Ich zweifle aber an ihrer Kompetenz. Ich glaube eher, sie war verärgert, weil die Tonnen, bei denen ich sie vorher gesehen hatte, nicht viel hergegeben haben.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Augsburg auch über mehrere Kirchtürme und ein Glockenspiel verfügt. Die Zwangspause um 11 habe ich dann für einen Platzwechsel genutzt. Mit den Satellitenbildern von Google hatte ich mir schon ein Bild von der Fußgängerzone gemacht. Auf dem Bild waren aber keine Baustellen zu sehen gewesen. Ich hätte es aber doch wissen können, weil mich ein Arbeitskollege gewarnt hatte, in der Augsburger Innenstadt werden sofort die Straßen aufgerissen, sobald es etwas wärmer wird.

Der Rathausplatz ist schön und so groß, dass man etwas Abstand vom Baulärm halten kann. Die Cafés waren gegen Mittag gut gefüllt. Trotzdem kamen auch nach längerer Spielerei nur wenige Spender zu mir. Vielleicht gibt es so oft Straßenmusik, dass die Leute sich etwas abkapseln. Den meisten Zuspruch hatte ich von einer Bank gleich neben mir. Da saßen meistens Leute, die mir zuhören wollten. Das war auch gut so, weil ich den Verstärker wegen Baulärm und Straßencafés etwas lauter gestellt hatte.

Auf der Bank haben sich zum Schluss zwei junge Burschen mit Mütze und Kopfhörer niedergelassen. Ich hatte mich schon gefragt, ob die beiden mit meiner Musik was anfangen können. Aus ihrer Mimik wurde aber klar, dass es ihnen schon gefällt. Im Gespräch habe ich dann erfahren, dass die beiden in einem der Cafés arbeiten und selber eher Hip Hop und Elektro hören. Aber für ordentliche handgemachte Musik haben beide was übrig.  Auf die Jugend ist halt doch Verlass.

Auch bei meiner letzten Station waren viele Leute in Straßencafés aber nur geringer Zuspruch. Nur zwei junge Leute, die sich in einem Hauseingang niederließen, zeigten eindeutiges Interesse. Vielleicht sind in Augsburg die Schwaben so klar strukturiert. An Wochentagen wird geschafft. Nur am Wochenende gibt’s Vergnügen. Für Augsburg von mir nur eine eingeschränkte Empfehlung.

Über 100canciones

Tango, Latin und Folk auf bayerischen Straßen und Plätzen. Wie kommt das und wo gehts hin?
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