​Nachtrag Sommertango

Mit unserem Open-Air-Tango im Prantlgarten hatten wir in diesem Jahr richtig Glück. Schon im Vorfeld war die Werbung gut gelaufen. Unser schönes Bandfoto und der vorbereitete Pressetext waren im Sommerloch auf fruchtbaren Boden gefallen.

Auch mit dem Wetter hatten wir Glück. Es war sonnig, trocken und warm. Die Leute hatten gute Laune, man konnte gut auf der Wiese lagern, zur Not auch ohne Decke, und man konnte es ohne warme Jacken gut bis spät in die Nacht aushalten.

Viele Besucher waren da, sehr viel mehr als im letzten Jahr. Die meisten waren natürlich um die Tanzfläche versammelt. Am Anfang suchten viele den Schatten in der Nähe der Band, quasi Backstage. Das klingt exklusiver als es war, nicht die Instrumente und Gesichter sondern nur die Hinter(n)seite der Bandmitglieder zu sehen. Dabei hatten wir uns doch extra hübsch gemacht. Mit den längeren Schatten verteilten sich die Besucher. Am Ende war dann die ganze Wiese locker bevölkert.

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Schön für uns war die bunte Mischung der Gäste. vielleicht die Hälfte waren Tangotänzer. Die anderen waren zum Zuhören und Zuschauen gekommen. Auch die Tänzer waren gemischt, alte Hasen und mutige Einsteiger, die lokale Gemeinde und Besuch aus anderen Szenen, auch aus über 100 km Entfernung. Die Tanzfläche war immer gut besucht, besonders während unserer Life-Sets.

Zum Glück hatten wir eine großzügige Tanzfläche zur Verfügung, auf der mehr als 20 Paare ohne Stress tanzen konnten.  Die war für das Volksmusikpicknick aufgebaut, das am nächsten Tag stattfinden sollte.

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Unsere Veranstaltung wurde auf vielen Kanälen angekündigt. Bei einigen davon scheint der Hinweis auf den Picknick-Charakter untergegangen zu sein. So haben manche Gäste die Möglichkeit vermisst, Getränke zu kaufen. Da müssen wir uns noch was einfallen lassen, ohne dass es kommerziell wird, quasi eine Notversorgung.

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Die Kulisse war wirklich prima. Auf der Wiese stehen locker verteilt große abstrakte Skulpturen. Die sinkende Sonne bringt die historische Stadtmauer zum leuchten, die den Prantlgarten vom bewaldeten Hofberg trennt und zugleich die Fassade des Skulpturenmuseums bildet, das in den Hofberg eingelassen ist. Über allem trohnt die Burg Trausnitz.

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Mit einsetzender Dämmerung wurden die Bögen der Mauer von Strahlern erleuchtet. So kommen alle schönen Seiten eines Sommerabends zur Geltung.

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Auch musikalisch können wir zufrieden sein. Wir haben eine Titelfolge zusammen gestellt, die den Tänzern erlaubt, sich über mehrere Stücke hinweg auf einen Rhytmus einzustellen, und die sowohl über jedes Set als auch über den ganzen Abend einen gewissen Spannungsbogen legt. Klar ist unser Programm von Milonga und Candombe und von viel Gesang geprägt, das wird wohl immer so bleiben.

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Unser neues Glanzstück „Sur o no Sur“ haben wir uns für die Zugabe aufgehoben.  Daran haben wir schon so lange gearbeitet. Es hat gedauert, bis wir den Respekt vor dem Original überwunden hatten. Dann haben wir alles reingesteckt. 7 Instrumente und 3-stimmigen Gesang, das ist für ein Quartett schon ganz ordentlich. Um die Tänzer nicht zu überfordern, haben wir es auf 8 Minuten gekürzt. Die Tänzer haben durchgehalten und hatten danach noch Kraft für ausgiebigen Applaus.

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Während der Zugabe war mir aus dem Augenwinkel ein seltsames Flackern über der Stadtmauer aufgefallen. Bei der Schlussverbeugung fielen dann die ersten Tropfen, Dann musste es schnell gehen. Instrumente in Koffer und Taschen, Folie über die Elektronik, dann zügig abbauen. Als wir nach 20 Minuten fertig waren, war auch der Schauer vorüber, aber die meisten Besucher waren schon aufgebrochen. Nur ein paar Hartgesottene schwoften noch zum Konserventango. Da war eigentlich schon Sperrstunde, wir hatten also nicht viel verschenkt.

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Weniger schön war der Wetterumschwung für das Volksmusik-Picknick. Die hatten tags darauf praktisch durchgehend Regen. Zum Glück konnten sie in das Skulpturenmuseum ausweichen. Im kleineren Kreis hatten sie es da auch ganz gemütlich. Als wir da waren, um uns nochmals für den Tanzboden zu bedanken, haben wir Tangotänzer vom Vorabend getroffen, die unserem Aufruf gefolgt waren, gleich am nächsten Tag zünftig weiter zu tanzen.

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​Blutiger Daumen in Ingolstadt

Straßenmusik in Ingolstadt ist eine sichere Wette. Am Wochenmarkt beim Stadttheater ist viel Genusspublikum unterwegs. Nach 2 Stunden dort war der Markt zu Ende und für mich war ein Stellungswechsel angesagt.

Die Fußgängerzone ist im Wesentlichen eine lange Einkaufsstraße. Das ist nicht so ideal, weil die Leute oft eilig unterwegs sind. Ich habe mir ein Plätzchen vor einer Bankfiliale gesucht, wo man samstags keinen stöhrt. Gegenüber Ruhebänke und zwei Straßencafes, alles auf diskreter Distanz.

Als erkennbar war, dass meine Musik im Straßencafe gut ankommt, habe ich ein paar Renomierstücke ausgepackt, zwei Piazzollas und zwei gezupfte Milongas, die was her machen. Damit habe ich es nicht schlecht erraten. Auch die Bossa- und Cuba-Sektion scheint gefallen zu haben. Nach 3 Stunden Musizieren war ich fast fitter als am Vormittag. Der Zuspruch der Leute hat mich wohl angestachelt. Auch Stücke, wo ich am Vormittag ungewohnte Hänger hatte, liefen wieder einwandfrei. Die anfängliche Schwäche mag vielleicht der unvorsichtige Genuss eines dunklen Bieres einer heimischen Kopfweh-Brauerei am Vorabend verursacht haben.

Gute Zuhörer waren auch Väter mit ihren Kleinkindern. Die haben Zeit zum Trödeln, während die Mütter die Läden ansteuern können, ohne dauernd warten zu müssen. Besonders nett war ein Knirps, der gerade mal laufen konnte, aber schon prima mit der Windel wackeln. Ein paar Stücke lang hat so eine kleine Gesellschaft bei mir gelagert.

Eine Gruppe aus dem Straßencafe bedankte sich beim Abshied, das sei jetzt wie ein Urlaubstag gewesen. Eine andere Gruppe wünschte sich noch was Spanisches, weil die Damen am Tisch gerade vom Spanien-Urlaub zurück waren.

Als ich später mit „Prima di andare via“ das Ende meiner Darbietungen ansteuerte, stellte sich heraus, dass damit ohnehin das Ende gekommen wäre. Das Stück ist angesprochen basslastig und wegen des scharfkantig gebrochenen Nagels war nun endlich mein Daumen blutig. Das ist doch wahre Ausdauer – spielen, bis die Finger bluten.

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Nachtrag: Fernwärmefest in der Kirchgasse

Die Stadt Landshut hat sich vor wenigen Jahren entschlossen, die IMG_3093städtische Müllverbrennung nach deren Stilllegung in ein Biomasse-Kraftwerk umzurüsten. Jetzt wird die Stadt mit Fernwärme beglückt und natürlich auch mit den dazugehörigen Leitungen und Baustellen. Das bringt eine Menge an Sperrungen und anderen Verkehrsbehinderungen mit sich.

In der Kirchgasse wurde dieser Umstand positiv umgesetzt. Weil wegen der Baustelle der Zugang zur Gasse gesperrt war, nutzten die Anwohner die Gelegenheit für ein kleines Gassen- und Nachbarschaftsfest. Ich gehöre jetzt nicht zu den Anwohnern, habe aber Freunde in der Gasse. So habe ich mich zu dem Festchen dazugesellt. IMG_3092

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Ferragosto in Piazzetta Torretta

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Am Sonntag, den 14. August, also dem Vorabend zu Ferragosto ist es soweit! Radio Canta Con Noi bei Nico im Ristorante-Caffè-Bar Torretta am Fuße der Landshuter Martinskirche.

Wer kennt sie nicht die italienischen „Gassenhauer“ von Adriano Celentano, Toto Cotugno, Paolo Conte und den vielen anderen Interpreten, die schon beim Zuhören Urlaubsgefühle wecken? Und wer hat nicht schon beim „Azzuro“ mitgesungen oder  – mangels Textkenntnis- mitgesummt? Die Texte der beliebtesten italienischen Schlager werden den Gästen ausgehändigt oder können auf dem Smartphone aufgerufen werden und dann gibt es kein Halten mehr! Ob bei „Marina“ oder der „Festa sui Prati“ wird es zu hören sein, dass manch einer der sangesfreudigen Gäste der „Italiano Vero“ ist. Dass zu einer solchen italienischen Nacht vom Küchen-Team Torretta auch die entsprechenden Gaumenfreuden vorbereitet werden, versteht sich von selbst.

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Altmühl Etappe 4

Der Regen, der sich am Vorabend angekündigt hatte, ist übernacht nach Kipfenberg gekommen. Die Wolken hängen tief, keine guten Aussichten, aber sowas kann sich ja schnell ändern.

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Die Frühstücksplätze sind in meiner Pension fest zugeteilt. Ich sitze bei einem Schweizer, der auch alleine unterwegs ist. Als ich ihm von meinen bescheidenen Strecken erzähle, erkennt er sofort, dass ich der Einradfahrer bin, den er in Kinding am Berg hat leiden sehen.

Er ist mit Absicht alleine unterwegs und genießt seine Ruhe. Dafür kommt man alleine leichter mit Fremden in Kontakt. Erst vor wenigen Tagen hat er zufällig Landsleute getroffen. Mag sein, dass das Länderkennzeichen an seinem Fahrrad das Treffen begünstigt hat. Witzig, dass es in Landshut war, vielleicht sogar in meiner Lieblings-Eisdiele.

Er ist wirklich viel unterwegs, jetzt zum Beispiel durch das Allgäu, den ganzen Lauf der Isar entlang, die Donau zur Altmühl, über Tauber und Main bis am Ende zurück nach Schaffhausen. In den letzten 10 Jahren hat er die Mitte Europas in jeder Richtung durchquert und dabei wohl 20.000 Kilometer zurückgelegt. So kann er ganz gut erzählen, welche Strecken empfehlenswert sind.

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Nach dem Frühstück ist der Regen weg und es bleibt noch eine Weile angenehm frisch. Die Einkehr-Möglichkeiten wollen sich lange nicht zeigen. Für den einzigen Biergarten in der Gegend mache ich einen Abstecher von meiner Strecke. Das scheint ein guter Tipp zu sein. Ein schönes altes Wirtshaus mit Tischen auf der Wiese hinter dem Haus. Bis auf einen Tisch ist alles reserviert, da fällt mir die Platzwahl leicht. Die Speisekarte liest sich verlockend, ich lasse mich zu einer hausgeräucherten Forelle verführen und bereue es nicht. Sogar der Beilagensalat schmeckt außergewöhnlich gut. So fühle ich mich für die Durststrecke vom Vormittag entschädigt.

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Auch ein anderer einzelner Gast landet an meinem Tisch. Noch bevor sein Essen serviert wird schreibt er in ein kleines Buch. Als ich das mit meinem Blog vergleiche, äußert er seine Vorbehalte. Er misstraut der Haltbarkeit der elektronischen Medien. Auch will er nicht, dass Unbekannte seine Reiseerinnerungen lesen oder oberflächliche Diskussionen geführt werden. Auch über den Verlust der Handschrift sorgt er sich. Klar beurteilt er das alles aus einiger Distanz. Seine Notizen wird kaum jemand außer ihm zu Gesicht bekommen. Dafür blättert er selber gelegentlich darin, vermutlich öfter als ich meine alten Beiträge anschaue.

Auch dieser Tischgenosse ist Touren-erprobt, sowohl mit dem Rad als auch mit dem Boot. Ungewöhnlich ist die Methode einer kombinierten Boots-Rad-Tour mit wechselnden Etappen. Klar könnte man im Kanu ein Klapprad mitnehmen. Wo bleibt aber das Boot auf der Radl-Etappe? Leichter wird es natürlich, wenn noch das Auto im Spiel ist. In einer Gruppe mit 2 Autos kann man ein Auto ans Etappenziel stellen und Abends das andere Auto vom Etappenstart abholen. Nun ist mein Tischgenosse allein unterwegs, wenn auch unfreiwillig, weil seine Begleitung ihn im Stich gelassen hat. So fährt er öffentlich zurück, um sein Auto zu holen. Dann bleibt noch die Frage, wie das Boot auf’s Auto kommt. Dazu hat er eine Staffelei im Auto, die den zweiten Mann ersetzt. Das klingt schon nach einem spannenden Manöver.

Am Nachmittag nehme ich Eichstätt, das Ziel meiner Tour ins Visier. Eine kleine Rast mit Erfrischung würde mir gefallen, aber wegen der ohnehin langen Strecke kann ich nicht mehr so weit von meinem Weg abweichen. Allein, die Hoffnung auf ein Café oder ähnliches am Weg erfüllt sich nicht, auch als die Stadtgrenze von Eichstätt erreicht ist. Das ausgedehnte Gewerbegebiet ist am Sonntag wie ausgestorben. An der Schnellstraße tut sich auch nichts und mir ist schon leicht schwummrig als sich endlich eine Tankstelle zeigt. So bin ich gerettet und erreiche sicher mein Ziel. Auf dem weg zum Domplatz kann man die Theologiestudenten deutlich erkennen, was für eine merkwürdig fremde Welt.

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Nach einer letzten Erfrischung und in trockenen Klamotten geht es in nur 3 Stunden zurück zum Startpunkt der Tour, wo mein Auto wartet. Auf der Zugfahrt bleibt die Schönheit der Natur und die Ruhe der letzten Tage zurück und ich bin mit der unausweichlichen Nahe seltsamer Gestalten konfrontiert, deutlich Verhaltensauffällige Jugendliche und peinliche Radau-Rentner, die den Wagon mit fremdenfeindlichen Dummheiten belästigen und am Ende noch Zustimmung erhalten. So will man seine Mitmenschen nicht kennenlernen.

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Radio Canta Con Noi im Alten Gefängnis Freising

Plakat-Radio Canta Con NoiUnter dem Titel „Radio Canta Con Noi“ stellen wir (Klaus Timmer und Thomas Mauerberger) ein Programm aus bekannten italienischen Liedern vor, die zum Mitsingen einladen. Handgemachte Musik mit Akkordeon und Gitarre, Melodien, die jeder kennt, Singen in fröhlicher Runde, Textvorlagen zur Unterstützung. Es gibt ein Wiederhören mit Adriano Celentano, Domenico Modugno, Paolo Conte, Toto Cotugno und anderen.

Besonders freuen wir uns über die Einladung ins Alte Gefängnis in Freising mit dem schönen Hof und den vielen netten Leuten.

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Keramik-Ausstellung bei Geisenhausen

Das Ehepaar Michaela und Florian Geissler lebt und arbeitet auf einem Bauernhof in Hörlkam in der Nähe von Geisenhausen. Jeden Sommer veranstalten sie eine Ausstellung mit ihren Keramik-Arbeiten. Zur Eröffnung gibt es ein kleines Fest mit Musik. Die alten Gebäude, der gemütliche Innenhof mit Bauerngarten und den ganzen Kunstwerken, die gut gelaunten Gäste, die entspannte Atmosphäre, bei meinen bisherigen Besuchen dort habe ich die Musiker immer um diesen schönen Rahmen beneidet. Um so mehr freue ich mich, in diesem Jahr selbst mit meinem Freund da spielen zu dürfen. Die Eröffnung findet am Samstag, den 9. Juli 2016 ab 18 Uhr statt. Die Ausstellung dauert bis zum 24. Juli.

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